Wetterwissen

Bauernregeln im Faktencheck: Was stimmt wirklich?

Manche Bauernregeln treffen erstaunlich oft zu, andere sind Mythos. Wir haben acht bekannte Regeln mit den Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen.

Von der Redaktion Wetterwolke · Zuletzt aktualisiert:

Acht Bauernregeln im DWD-Check

Zu jeder Regel: was sie behauptet, was die Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen – und unser Urteil.

Bauernregeln im Überblick: Urteil und Trefferquote laut DWD
RegelZeitraumUrteilLaut DWD
Siebenschläfer27. Juni, eigentlich Anfang JuliTeilweise wahrSüddeutschland bis zu 70 %
Eisheilige11.–15. MaiStatistisch kaum belegtTiefstwerte ≤ 3 °C nur in etwa einem Drittel der Jahre
Schafskälte10.–12. JuniMeist zutreffendin etwa 80 % der Jahre kühler
Weihnachtstauwetterkurz vor WeihnachtenMeist zutreffend60–70 % der Jahre
Martini11. NovemberMeist zutreffendetwa 2 von 3 Fällen
Abendrot und MorgenrotganzjährigPhysikalisch plausibelkeine Trefferquote
AltweibersommerMitte September bis Anfang OktoberHäufig zu beobachtenkeine Prozentzahl
Hundstage23. Juli bis 23. AugustEher Mythoseher unbeständige Südwestlagen
Teilweise wahr

Siebenschläfer

„Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“

Nicht der einzelne Tag (27. Juni) zählt, sondern die Großwetterlage Ende Juni bis Anfang Juli – wegen der Kalenderreform von 1582 liegt der eigentliche Stichtag heute rund zehn Tage später. Laut DWD hält sich das Wetter in Süddeutschland in bis zu 70 % der Jahre bis Anfang August, im übrigen Binnenland seltener und eher für drei bis vier als für sieben Wochen.

Quelle: DWD-Pressemitteilung 2017, DWD-Lexikon: Bauernregeln

Statistisch kaum belegt

Eisheilige

„Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bevor Sophie vorüber ist.“ (11.–15. Mai)

Der DWD hat die letzten 50 Jahre ausgewertet: Nur in etwa einem Drittel der Jahre gab es um die Eisheiligen Tiefstwerte von 3 °C oder weniger. Eine auffällige Häufung von Kälteeinbrüchen in genau diesen Tagen gibt es nicht. Wegen der Kalenderreform müsste man die Regel ohnehin gut eine Woche später anwenden.

Quelle: DWD – Thema des Tages, Mai 2026

Meist zutreffend

Schafskälte

Kälterückfall Mitte Juni, wenn die Schafe schon geschoren sind.

Laut DWD ist es zwischen dem 10. und 12. Juni in etwa 80 % der Jahre kühler als im Durchschnitt, in etwa 55 % auch nasser. Wie oft die Schafskälte „eintritt“, hängt allerdings stark davon ab, wie genau man sie definiert.

Quelle: DWD-Lexikon: Schafskälte

Meist zutreffend

Weihnachtstauwetter

Grüne statt weiße Weihnachten, weil milde Luft den Schnee wegtaut.

Kurz vor Weihnachten strömt häufig milde Atlantikluft nach Mitteleuropa und taut Schnee aus der ersten Dezemberhälfte wieder weg. Laut DWD passiert das je nach Region in 60 bis 70 % der Jahre.

Quelle: DWD-Lexikon: Weihnachtstauwetter

Meist zutreffend

Martini

„Ist Martini trüb und feucht, wird gewiss der Winter leicht.“ (11. November)

Laut einer Auswertung des DWD folgt auf einen trüben, feuchten 11. November in etwa zwei von drei Fällen ein zu milder Winter. Betrachtet man den Zeitraum bis zum 21. November, steigt die Quote auf rund 75 %.

Quelle: DWD – Thema des Tages, November 2018

Physikalisch plausibel

Abendrot und Morgenrot

„Abendrot – Gutwetterbot, Morgenrot – Schlechtwetter droht.“

Weil das Wetter in Mitteleuropa meist von Westen kommt, braucht Abendrot einen klaren Westhimmel – gutes Wetter ist also eher im Anmarsch. Morgenrot entsteht dagegen, wenn der Osten noch klar ist und von Westen schon Wolken aufziehen. Der DWD spricht von „häufig“; eine Trefferquote gibt es nicht.

Quelle: DWD – Thema des Tages, Oktober 2022

Häufig zu beobachten

Altweibersommer

Schöne, warme Tage im Frühherbst.

Der Altweibersommer ist eine beständige Hochdrucklage, die besonders häufig von Mitte September bis Anfang Oktober auftritt: tagsüber sommerlich warm, nachts kühl mit Tau und Nebel. Eine belastbare Prozentzahl nennt der DWD nicht.

Quelle: DWD-Lexikon: Altweibersommer

Eher Mythos

Hundstage

Die heißesten Tage des Jahres zwischen dem 23. Juli und 23. August.

Der Name stammt vom Stern Sirius im Sternbild Großer Hund und ist astronomisch, nicht meteorologisch begründet. Statistisch herrschen in der Kernzeit Ende Juli bis Anfang August eher unbeständige Südwestlagen.

Quelle: DWD-Lexikon: Hundstage

Häufige Fragen zu Bauernregeln

Stimmen Bauernregeln?

Manche haben einen wahren Kern aus jahrhundertelanger Beobachtung, etwa Schafskälte, Weihnachtstauwetter oder die Siebenschläferregel in Süddeutschland. Andere, wie die Eisheiligen, sind statistisch kaum belegt. Für eine verlässliche Vorhersage taugen Bauernregeln laut Deutschem Wetterdienst nicht, höchstens für einen groben Trend.

Warum stimmen die Daten der Bauernregeln nicht mehr?

Viele Lostage stammen aus der Zeit vor der gregorianischen Kalenderreform von 1582, bei der zehn Tage übersprungen wurden. Die Siebenschläferregel bezieht sich deshalb eigentlich auf Anfang Juli, die Eisheiligen auf die zweite Maihälfte.

Stimmt die Siebenschläferregel?

Teilweise. Laut Deutschem Wetterdienst hält sich die Großwetterlage von Ende Juni und Anfang Juli in Süddeutschland in bis zu 70 % der Jahre bis Anfang August. Im übrigen Binnenland ist die Trefferquote geringer und gilt eher für drei bis vier als für sieben Wochen.