Taupunkt berechnen, Lüften prüfen, gefühlte Temperatur
Drei Werkzeuge für den Alltag: Berechne den Taupunkt und das Schimmelrisiko an kalten Wänden, prüfe, ob Lüften gerade gegen Feuchtigkeit hilft, und finde heraus, wie kalt oder heiß sich das Wetter anfühlt.
Von der Redaktion Wetterwolke · Zuletzt aktualisiert:
Taupunkt berechnen
Wo eine Wand kälter ist als der Taupunkt der Raumluft, schlägt sich Wasser nieder. Mit einem Infrarot-Thermometer kannst du die Temperatur kalter Ecken oder Fensterlaibungen messen und hier eintragen – dann siehst du auch das Schimmelrisiko.
Lüftungsrechner
Ob Lüften die Wohnung trockener macht, hängt davon ab, wie viel Wasser in der Luft steckt – nicht von der angezeigten Luftfeuchte. Kalte Luft mit 85 % Feuchte enthält oft weniger Wasser als warme Raumluft mit 55 %.
Gefühlte Temperatur: Windchill und Hitzeindex
Wind lässt Kälte schärfer wirken, hohe Luftfeuchte macht Hitze drückender. Der Rechner wählt automatisch die passende Formel.
So rechnen wir: Formeln und Beispiele
Taupunkt und Luftfeuchte (Magnus-Formel)
Der Sättigungsdampfdruck über Wasser wird mit der Magnus-Formel berechnet, mit den Koeffizienten nach Sonntag (1990):
E(t) = 6,112 hPa · exp(17,62 · t / (243,12 °C + t))
Daraus ergibt sich der Taupunkt: Er ist die Temperatur, bei der der tatsächliche Dampfdruck (relative Feuchte · E(t)) gerade dem Sättigungsdampfdruck entspricht. Beispiel: Bei 20 °C und 50 % Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei 9,3 °C.
Für das Schimmelrisiko rechnet der Rechner aus, welche relative Feuchte an einer kälteren Oberfläche herrscht. Ab etwa 70 bis 80 % Oberflächenfeuchte über längere Zeit kann laut Umweltbundesamt Schimmel wachsen.
Absolute Feuchte (Lüftungsrechner)
a = 216,7 · (rF / 100) · E(t) / (273,15 + t) in g/m³
Beispiel mit den Startwerten: Drinnen 20 °C und 65 % ergeben 11,2 g/m³, draußen 8 °C und 85 % nur 7,0 g/m³. Auf 20 °C erwärmt, hätte die Außenluft nur noch etwa 41 % Luftfeuchte – Lüften trocknet die Wohnung also.
Windchill und Hitzeindex
Der Windchill wird nach der JAG/TI-Formel berechnet, die Wetterdienste in Kanada und den USA seit 2001 nutzen; sie gilt bei Temperaturen bis 10 °C und Wind über 4,8 km/h. Der Hitzeindex folgt dem Verfahren des US National Weather Service (Regression nach Rothfusz mit Korrekturen für sehr trockene und sehr feuchte Luft) und gilt ab 27 °C und 40 % Luftfeuchte.
Taupunkt-Tabelle
| Raumtemperatur | 40 % | 50 % | 60 % | 70 % | 80 % |
|---|---|---|---|---|---|
| 16 °C | 2,4 °C | 5,6 °C | 8,2 °C | 10,5 °C | 12,5 °C |
| 18 °C | 4,2 °C | 7,4 °C | 10,1 °C | 12,4 °C | 14,5 °C |
| 20 °C | 6,0 °C | 9,3 °C | 12,0 °C | 14,4 °C | 16,4 °C |
| 22 °C | 7,8 °C | 11,1 °C | 13,9 °C | 16,3 °C | 18,4 °C |
| 24 °C | 9,6 °C | 12,9 °C | 15,8 °C | 18,2 °C | 20,3 °C |
Messgeräte für genaue Eingabewerte
Die Rechner sind nur so genau wie die eingegebenen Werte. Diese Geräte wurden in Messtests geprüft.
Genauestes Digital-Hygrometer im Langzeittest – liefert die Raumwerte für Lüftungs- und Taupunkt-Rechner.
Messtest: BSS-Langzeittest 2015/16
Zeigt CO₂, Temperatur und Luftfeuchte auf einem großen Display.
Messtest: Stiftung Warentest 2/2021: gut (1,9)
Günstige Wetterstation mit sehr akkuraten Außenwerten für den Lüftungsrechner.
Messtest: TechTest 4/2019
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Häufige Fragen zu den Rechnern
Wie berechnet man den Taupunkt?
Mit der Magnus-Formel: Aus Temperatur und relativer Luftfeuchte wird zuerst der Dampfdruck bestimmt und daraus die Temperatur, bei der die Luft gesättigt wäre. Beispiel: Bei 20 °C und 50 % Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei etwa 9,3 °C. Kühlere Flächen werden nass.
Wann lohnt sich Lüften gegen Feuchtigkeit?
Lüften trocknet die Wohnung nur, wenn die Außenluft weniger Wasser enthält als die Raumluft. Entscheidend ist die absolute Feuchte in Gramm pro Kubikmeter, nicht die relative Luftfeuchte. Im Winter ist kalte Außenluft fast immer trockener, im Sommer kann warme, feuchte Luft Keller dagegen feuchter machen.
Wie wird die gefühlte Temperatur berechnet?
Bei Kälte mit Wind nutzt der Rechner die international übliche Windchill-Formel (JAG/TI), bei Hitze den Hitzeindex nach dem Verfahren des US National Weather Service, der Temperatur und Luftfeuchte berücksichtigt. Der Deutsche Wetterdienst verwendet für seine gefühlte Temperatur ein aufwendigeres Modell (Klima-Michel), das auch die Sonnenstrahlung einbezieht; die Werte können deshalb abweichen.
Wie genau sind die Rechner?
Die Formeln sind für den Alltag ausreichend genau. Die Ergebnisse hängen aber stark von den eingegebenen Werten ab: Ein ungenaues Hygrometer verfälscht auch das Ergebnis.
Quellen
- DWD-Lexikon – Taupunkt
- Umweltbundesamt – Schimmelleitfaden (Oberflächenfeuchte, PDF)
- Sonntag, D. (1990): Important new values of the physical constants of 1986, vapour pressure formulations based on the ITS-90, and psychrometer formulae. Zeitschrift für Meteorologie 40 (Magnus-Koeffizienten)
- US National Weather Service – Heat Index Equation
- DWD-Lexikon – Windchill