Ratgeber

Richtig lüften gegen Schimmel

Welche Luftfeuchtigkeit ist ideal, ab wann wächst Schimmel und wie lüftest du richtig? Mit den Empfehlungen des Umweltbundesamts und zwei Rechnern für deine Wohnung.

Von der Redaktion Wetterwolke · Zuletzt aktualisiert:

Das Wichtigste in Kürze

  • 40–60 % Luftfeuchte: empfiehlt das Umweltbundesamt. Dauerhaft über 65–70 % wird es kritisch.
  • Stoß- und Querlüften: im Winter 2–3-mal täglich etwa 5 Minuten, Fenster weit auf. Kippen hilft kaum.
  • Nicht zu kalt heizen: Unter 16–18 °C steigt das Schimmelrisiko deutlich.

Welche Luftfeuchtigkeit ist richtig?

Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt in Wohnräumen eine relative Luftfeuchte von 40 bis 60 Prozent. Auf Dauer sollte sie nicht über 65 bis 70 Prozent liegen. In schlecht gedämmten Wohnungen rät das UBA, im Winter unter 50 Prozent zu bleiben, weil die Außenwände dort besonders kalt sind.

Die Verbraucherzentrale nennt als ideales Wohnklima etwa 18 bis 22 °C bei 40 bis 60 Prozent. Um die Werte im Blick zu behalten, reicht ein einfaches digitales Hygrometer – schon günstige Digitalgeräte messen laut Labortest des Bundesverbands Schimmelpilzsanierung ausreichend genau. Zum Hygrometer-Test

Ab wann wächst Schimmel?

Schimmel braucht keine nasse Wand. Laut Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts reichen 70 bis 80 Prozent Feuchte an der Oberfläche, wenn sie über längere Zeit anhält. Unter etwa 70 Prozent wächst kein Schimmel, ab 80 Prozent finden die meisten Innenraum-Schimmelpilze ideale Bedingungen.

Der Haken: Gemessen wird die Luftfeuchte meist in der Raummitte. An kalten Außenwänden, in Ecken oder hinter Schränken ist sie viel höher. Das UBA rechnet ein Beispiel vor: Raumluft mit 22 °C und 50 Prozent Feuchte erreicht an einer 14,5 °C kalten Außenwand etwa 80 Prozent – genug für Schimmel. Unter etwa 11 °C (dem Taupunkt) schlägt sich sogar Wasser nieder.

Mit dem Rechner kannst du das für deine Wohnung prüfen. Die Temperatur der kältesten Wandstelle misst du am einfachsten mit einem Infrarot-Thermometer.

Schnell-Check: Droht Schimmel an der Wand?

Raumluft
Kälteste Wandstelle (optional)

Taupunkt-Rechner mit Formel und Tabelle

Richtig lüften: wie oft und wie lange?

Richtig lüften: wie oft und wie lange?
SituationEmpfehlung des Umweltbundesamts
Winter2–3-mal täglich etwa 5 Minuten pro Raum, Fenster weit offen
Frühjahr, Sommer, Herbstje nach Temperatur und Wind 10–20 Minuten
Schlafzimmermorgens 5–10 Minuten
Küche und Badwährend und direkt nach dem Kochen oder Duschen 5–10 Minuten, Tür geschlossen halten
  • Querlüften mit gegenüberliegenden Fenstern ist am wirksamsten.
  • Bad und Küche bei geschlossener Tür lüften, damit die feuchte Luft nicht in kältere Räume zieht.
  • Kippfenster tauschen wenig Luft aus, kosten viel Heizenergie und kühlen die Fensterlaibung aus – dort kann sich dann Schimmel bilden. Das UBA rät davon ab.
  • Gleichmäßig heizen: Laut UBA tagsüber 19–20 °C, nachts 18 °C sind in Ordnung; unter 16–18 °C steigt das Schimmelrisiko deutlich. Die Verbraucherzentrale rät, Temperaturunterschiede von mehr als 5 °C zwischen Räumen zu vermeiden.

Lohnt sich Lüften gerade? Der Rechner

Lüften trocknet die Wohnung nur, wenn draußen weniger Wasser in der Luft ist als drinnen. Im Winter ist das fast immer so, im Sommer – vor allem im Keller – oft nicht. Trag die Werte von Hygrometer und Außenthermometer ein:

Schnell-Check: Lohnt sich Lüften gerade?

Drinnen
Draußen

Lüftungsrechner mit Erklärung

Keller im Sommer: Warme Außenluft kühlt im Keller ab, und die Feuchtigkeit kondensiert an den Wänden. Lüfte deshalb nur nachts oder früh morgens, wenn es draußen kühler ist als im Keller; tagsüber Fenster zu. Reicht das nicht, hilft ein Luftentfeuchter.

Woher kommt die Feuchtigkeit?

Ein Drei-Personen-Haushalt gibt laut Umweltbundesamt 6 bis 12 Liter Wasser pro Tag an die Raumluft ab. Jede Person allein im Schlaf etwa einen Viertelliter pro Nacht.

Woher kommt die Feuchtigkeit?
FeuchtequelleWasserabgabe
Mensch, leichte Tätigkeit30–40 g pro Stunde
Wäsche trocknen, geschleudert50–200 g pro Stunde
Wäsche trocknen, tropfnass100–500 g pro Stunde
Kochen und Duschenrund 270 g pro Person und Tag
Zimmerpflanze1–5 g pro Stunde

Quelle: UBA-Schimmelleitfaden nach Daten des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik.

CO₂: Wann ist die Luft verbraucht?

Neben der Feuchte zeigt der CO₂-Gehalt, wann gelüftet werden sollte. Die Leitwerte des Umweltbundesamts:

CO₂: Wann ist die Luft verbraucht?
CO₂-GehaltBewertungWas tun?
unter 1.000 ppmunbedenklichnichts
1.000–2.000 ppmauffälliglüften
über 2.000 ppminakzeptabelsofort lüften, Lüftungsmöglichkeiten prüfen

Eine CO₂-Ampel erinnert automatisch ans Lüften. Die besten CO₂-Messgeräte laut Stiftung Warentest

Passende Messgeräte

Für den Lüftungsrechner brauchst du die Luftfeuchte drinnen und draußen, für die CO₂-Werte ein Messgerät. Alle drei Geräte wurden in Labortests geprüft – Quelle jeweils angegeben.

Testsieger Hygrometer TFA Moxx Hygrometer

Genauestes Digital-Hygrometer im Langzeittest des Bundesverbands Schimmelpilzsanierung – und sehr günstig.

Messtest: BSS-Langzeittest 2015/16

CO₂ und Luftfeuchte Technoline WL 1030

Zeigt CO₂, Temperatur und Luftfeuchte auf einem großen Display.

Messtest: Stiftung Warentest 2/2021: gut (1,9)

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Messtest: Stiftung Warentest 2021: gut (1,8)

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Häufige Fragen zu Lüften und Schimmel

Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Wohnung ideal?

Das Umweltbundesamt empfiehlt 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte. Dauerhaft sollte sie nicht über 65 bis 70 Prozent liegen; in schlecht gedämmten Wohnungen im Winter besser unter 50 Prozent.

Ab welcher Luftfeuchtigkeit wächst Schimmel?

Entscheidend ist die Feuchte direkt an der Oberfläche von Wänden und Möbeln. Laut Umweltbundesamt reichen dort 70 bis 80 Prozent über längere Zeit, ohne dass die Wand sichtbar nass ist. Weil Außenwände kälter sind als die Raumluft, kann die Feuchte dort deutlich höher sein als in der Raummitte.

Wie oft und wie lange sollte man lüften?

Im Winter laut Umweltbundesamt zwei- bis dreimal täglich etwa fünf Minuten pro Raum mit weit geöffnetem Fenster, in der warmen Jahreszeit 10 bis 20 Minuten. Am wirksamsten ist Querlüften mit gegenüberliegenden Fenstern. Gekippte Fenster tauschen wenig Luft aus und kühlen die Fensterlaibung aus.

Sollte man den Keller im Sommer lüften?

Nur, wenn es draußen kühler ist als im Keller, also nachts oder früh morgens. Warme Sommerluft kühlt im Keller ab, und die Feuchtigkeit schlägt sich an Wänden nieder. Ob Lüften gerade hilft, zeigt unser Lüftungsrechner.

Ab welchem CO₂-Wert sollte man lüften?

Das Umweltbundesamt bewertet unter 1.000 ppm als unbedenklich, 1.000 bis 2.000 ppm als auffällig – dann sollte man lüften – und über 2.000 ppm als inakzeptabel.